Der Bündner Standard ist auch in der ESB ein seit Jahren genutztes, praxiserprobtes Instrument zur Erfassung und professionellen Bearbeitung von Grenzverletzungen.
Welchen Mehrwert bringt die Einführung der Version 3.0?
Die ESB verspricht sich durch die Einführung des Bündner Standards 3.0 entscheidende Vorteile in der täglichen Praxis. Durch die neu geschaffene Struktur mit den klar definierten Kernelementen erhalten alle Beteiligten noch mehr Handlungssicherheit und klare Orientierung.
In der Praxis bedeutete dieser Umstellungsprozess eine intensive inhaltliche Aufarbeitung. Sämtliche bestehenden Konzepte und Leitfäden wurden anhand des neuen Anforderungskatalogs geprüft, systematisch überarbeitet und ergänzt.
Ein zentraler Meilenstein war dabei die Neuentwicklung eines verbindlichen organisationsspezifischen Verhaltenskodexes.
Dieser dient als praxisnahes Orientierungsinstrument für den Berufsalltag. Er adressiert explizit das im Begleitkontext stets vorhandene Machtgefälle und verankert den Grundsatz, dass die Verantwortung für eine professionelle Beziehungsgestaltung uneingeschränkt bei den Mitarbeitenden liegt.
In Workshops wurden konkrete Handlungsleitlinien für typische Risikosituationen wie z. B. Körperkontakt, Zweiersituationen, Kommunikation, soziale Kontakte und berufliche Rolle erarbeitet, um unsichere Graubereiche aufzulösen und unmissverständliche rote Linien zu definieren. Der entstandene Verhaltenskodex fordert Transparenz und fördert eine Kultur des Hinschauens und Ansprechens. Zudem ist der Kodex fest in das Personalmanagement und den gesamten Rekrutierungsprozess integriert.
Darüber hinaus schliesst die Version 3.0 eine wesentliche Lücke durch die gezielte Stärkung der Nachsorge. Der Aufbau eines strukturierten Nachsorgeprozesses, die psychosoziale Begleitung der Betroffenen, entlastet und unterstützt die langfristige Aufarbeitung im Sinne einer tertiären Prävention.
Die nächsten Entwicklungsschritte: von der Schulung zur Befähigung:
Nachdem die Schulungen der Teams und die Einführung des Verhaltenskodexes erfolgreich durchgeführt wurden, schlägt die ESB nun das nächste Kapitel bei der Verankerung des Bündner Standards 3.0 auf.
Im Zentrum der kommenden Entwicklungsphase stehen zwei wesentliche Schwerpunkte:
Die Erarbeitung von zielgruppengerechtem Schulungsmaterial für die Menschen mit Unterstützungsbedarf der ESB sowie der Ausbau niederschwelliger Zugänge zur Präventions- und Meldestelle.
Das Ziel dieser Phase ist es, den Bündner Standard 3.0 aus der Personal- und Organisationsebene direkt in die Lebensrealität der begleiteten Menschen zu tragen.
Indem sie ermächtigt werden, Grenzverletzungen zu erkennen und genau zu wissen, wo und wie sie vertraulich Unterstützung erhalten, wird die Präventionsarbeit nachhaltig in der Alltagskultur verankert.
berichtet von Sandra Schlachter, Fachverantwortung Präventions- und Meldestelle ESB
